Kein Kernkraftwerk in der Gemeinde Mielno

Foto: Gmina Mielno - Atom Stop

Foto: Gmina Mielno – Atom Stop

Fünf Jahre aufreibender Kampf liegen hinter Olga Roszak-Pezała und den Einwohnern der beliebten Ostseegemeinde Mielno (Großmöllen). Nun verkündete die Gemeindevorsteherin freude-strahlend, dass sich der Aufwand gelohnt habe. Der eigens für den Bau des ersten polnischen Atomkraftwerkes der Nachwendezeit gegründete Betreiber PGE EJ1 gab öffentlich bekannt, den möglichen Standort Gąski (Funkenhagen) nicht mehr weiterzuverfolgen.

Der Betreiber machte offiziell die geologischen Gegebenheiten vor Ort für die Entscheidung verantwortlich. Roszak-Pezała ist aber davon überzeugt, dass der gemeinschaftlich von Bürgern und Kommunalpolitik organisierte Widerstand gegen den Bau mitgeholfen hat, das Vorhaben zu verhindern. In einem Referendum hatten sich bereits 2012 über 90 Prozent der Einwohner der Gemeinde bei einer Beteiligung von knapp 60 Prozent gegen das Atomkraftwerk ausgesprochen.

Es folgten regelmäßige Protestaktionen, Klagen der Gemeinde vor verschiedenen Gerichten bis hin zum Verfassungstribunal. Darüber hinaus erhielten die Aktivisten Unterstützung aus zahlreichen anderen Gemeinden der Woiwodschaft Zachodniopomorskie (Westpommern). Der Antrag des Betreibers auf Annullierung des Lokalisierungsverfahrens für Gąski wurde bereits vom zuständigen Woiwoden genehmigt.

Die PGE EJ1 wurde 2010 mit dem Ziel gegründet, Polen unabhängiger von ausländischen Energielieferungen zu machen. Um dies zu erreichen soll für rund zehn Milliarden Euro bis 2024 ein Kernkraftwerk im Norden des Landes entstehen. Mehrere Umfragen der letzten zehn Jahre ließen jedoch darauf schließen, dass mehr als die Hälfte der Polen diesem Vorhaben ablehnend gegenübersteht. Nach dem Ausscheiden von Gąski stehen dem Unternehmen nun noch zwei als geeignet angesehene Standorte zur Verfügung: das zwischen Łeba (Leba) und Władysławowo (Großendorf) gelegene Schulzenamt Lubiatowo-Kopalino (Lübtow-Koppalin) sowie Żarnowiec (Zarnowitz).

Auch in dem ebenfalls an der Küste gelegenen Ferienort Lubiatowo-Kopalino (Lübtow-Koppalin) gibt es eine rege Anti-Atom-Bewegung. Sie sieht nicht nur den Tourismus an der kaschubischen Küste bedroht, sondern vor allem die Umwelt und Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze. Mit ihren kreativen Aktionen will sie polnische und ausländische Touristen ermutigen, sich für umweltfreundlichere Energieerzeugung einzusetzen. Das ebenfalls im kaschubischen Pommern gelegene Żarnowiec ist der Standort des ersten polnischen Atomkraftwerkes, dessen Bau aufgrund immenser Proteste und wegen des Systemwandels nach 1990 nicht mehr fertiggestellt wurde.

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