Bernstein – das Gold der Ostsee in Polen

Zur Herbst- und Winterzeit weht auch an der ansonsten milden polnischen Ostseeküste so manches Mal ein rauer Wind. Bereits zum zweiten Mal innerhalb von sechs Wochen tobte jetzt weit draußen auf See ein Sturm, der den Meeresboden aufwühlte und urzeitliche Schönheiten ans Tageslicht förderte. Das, was da vielerorts an Land gespült wurde und ganze Scharen von Sammlern anlockt, ist Bernstein, das Gold der Ostsee. Kaum ein anderer Rohstoff wird so sehr mit der Ostsee verbunden, wie die Jahrmillionen alten Harztropfen, die manchmal erstaunliche Ausmaße annehmen können.

Ob durchsichtig klar oder farbig trüb, ob mit oder ohne Einschlüssen, Bernstein übte auf den Menschen schon immer eine faszinierende Wirkung aus. Bereits in der Steinzeit war er ein begehrtes Handelsobjekt, das zu Schmuck verarbeitet wurde. Schon damals etablierten sich mehrere heute als Bernsteinstraßen bekannte Handelswege, auf denen die begehrte Ware von Nord- und Ostsee in den Mittelmeerraum transportiert wurde.

Wer einmal an der polnischen Ostsee Urlaub gemacht hat, der weiß, wie beliebt der auf Polnisch Bursztyn, Jantar oder Amber genannte Stein auch heutzutage noch ist. Während der Saison schlagen fliegende Händler in den Küstenorten ihre Stände auf und bieten Schmuck- und Gebrauchsgegenstände aus Bernstein feil. Örtliche Juweliere haben sich oft auf Bernstein spezialisiert. Viele Touristen versuchen selbst ihr Glück am Strand, drehen manch unscheinbaren Stein um und hoffen, dass er sich als ein Stück goldglänzender Urgeschichte entpuppt.

Sie sehen Fischerboote am Sandstrand von Jaroslawiec

Fischerboote am winterlichen Strand von Jaroslawiec (Jershöft) – Foto: Carsten Wolf

Zu den Bernsteinbegeisterten zählt auch Maks Kwiatkowski. Der 23-Jährige aus Jarosławiec (Jershöft) interessierte sich schon als Jugendlicher für Schönheit und Geschichte des Bernsteins. Der Student der Warschauer Handelshochschule will sein Wissen und seine Liebe für das fossile Harz weitergeben und baut seit vergangenem Jahr am ersten Museum der Region, das einzig dem Bernstein gewidmet ist. Bereits im Juni soll das in der ul. Nadmorska in seiner Heimatstadt gelegene Haus eröffnen.

Hinter der hölzernen Fassade des Neubaus wartet dann auf die Besucher eine Reise durch die Welt des Bernsteins. Gleich zu Beginn werden sie vom urzeitlichen Wald begrüßt, der vor 40 Mio. Jahren den Ostsee-Bernstein produzierte. Weiter geht es in ein Bernsteinbergwerk, ein anderer Saal ist Einschlüssen gewidmet, seien es Insekten, Spinnentiere oder Pflanzenteile. Darüber hinaus soll eine Weltkarte mit eingelassenen Originalbeispielen über die Bernsteinfundstätten rund um den Globus informieren.

Eine interessante Ausstellung können Einwohner und Besucher von Świnoujście (Swinemünde) noch bis April im Museum für Hochseefischerei am plac Rybacka bewundern. Die junge Künstlerin Małgorzata Jabłonska hat sich ganz der Bernsteinverarbeitung verschrieben. Dabei nutzt sie auch schon einmal mittelalterliches Werkzeug, wie es die Wikinger und Slawen auf Wolin eingesetzt haben könnten. Vom Schmetterling über Ringe bis hin zum Lampenschirm reicht das Werk der jungen Frau, die auch das Stadtwappen im Stadtamt von Międzyzdroje (Misdroy) aus dem gelben Stein angefertigt hat.

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