Kolberger „Ureinwohnerin“ soll Gesicht wiedererhalten

Rund 2000 Jahre alt soll sie sein, die „Ureinwohnerin“ von Kołobrzeg (Kolberg), deren sterbliche Überreste 1898 bei Bodenhagen, dem heutigen Ortsteil Bagicz, gefunden wurden. Das in einem ausgehöhlten Eichenstamm gefundene Skelett wurde seitdem im Stettiner Nationalmuseum aufbewahrt, befand sich aber die letzten drei Jahre zur Auslagerung im Kolberger Stadtmuseum. Die dortige Museumsverwaltung hat nun die Erlaubnis erhalten, die liebevoll „Helena“ genannte Alt-Kolbergerin per 3D-Scan zu vermessen und im Anschluss als Kopie weiterhin auszustellen.

Dazu sind spezielle technische Verfahren nötig, da die sumpfige Umgebung, in welcher das Skelett gefunden wurde, dieses komplett schwarz gefärbt hat. Im Anschluss soll das am Computer originalgetreu zusammengesetzte Modell mit einem 3D-Drucker ausgedruckt werden. Außerdem soll Helena ihr Gesicht wiedererhalten. Anhand des ausgedruckten Schädels werden Fachleute Stück für Stück die Muskelpartien rekonstruieren und im Anschluss Haut, Augen, Nase, Mund und Haare ergänzen. Das Ergebnis werden Besucher dann in gut einem Jahr im Kolberger Museum besichtigen können.

Helena wurde Ende des 19. Jahrhunderts zufällig gefunden. Ein Sturm befreite ihren „Sarg“ aus dem Kliff. Zusammen mit dem Skelett wurden damals verschiedene Schmuckgegenstände und ein Schemel gefunden. Die Grablege galt aber als unvollständig erhalten. Neue Untersuchungen mit modernem Gerät haben ergeben, dass sie um das Jahr 30 unserer Zeitrechnung etwa im Alter von 30 Jahren verstorben war und nicht wie ursprünglich angenommen im zweiten Jahrhundert. Sie gehörte wahrscheinlich der Wielbark-Kultur an, deren Angehörige bis zum fünften Jahrhundert im Bereich der Weichsel siedelten.

Überrascht waren die Wissenschaftler von der Analyse ihrer Ernährung. Entgegen einer für den Fundort erwarteten Fischdiät, konnten sie fast nur für das Landesinnere typische Pflanzen als Hauptlebensmittel nachweisen. Das könnte dafür sprechen, dass die für damalige Verhältnisse ältere Frau ursprünglich aus einem Siedlungsgebiet im Süden stammte. Verformungen an ihrer Wirbelsäule zeugen auch von erschwerten Lebensbedingungen, denen sie ausgesetzt war.

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