Antikes Glas im kaschubischen Boden

Sie sehen eine kleine Kreuzung in Lebork (Lauenburg)

Lebork (Lauenburg)

Seit fast 100 Jahren stehen die kaschubischen und slowinzischen Wälder im Fokus von Archäologen und Altertumsforschern. Der südliche Ostseeraum war seit jeher ein Gebiet, in dem verschiedene Menschengruppen aufeinanderstießen und das als Teil des Bernsteinhandelsweges schon in der Steinzeit von enormer Bedeutung war. So findet sich beim rund 30 Kilometer südlich des Ferienortes Łeba (Leba) gelegenen Dörfchen Czarnówko das größte antike Gräberfeld Ostmitteleuropas. Seit 1973 gibt die Erde hier immer wieder neue Funde frei. Was die Wissenschaftler Anfang September vom Sand befreiten, versetzte sie jedoch in freudigen Aufruhr.

Im Grab eines Mädchens aus dem 3. Jahrhundert stießen sie auf eine einwandfrei erhaltene Glasfigur in Form eines Fisches. Ein in Polen einmaliger Fund. Ersten Vermutungen zufolge stammt das antike Kunstwerk, wie zahlreiche andere Grabbeigaben in Czarnówko aus dem östlichen Bereich des damaligen Römischen Reiches. Eindrucksvoll sind auch die Überreste eines gläsernen Pokals, der mit blauen und weißen Vögeln verziert ist. Diese und weitere Fundstücke wie Glasperlen sowie Bronze- und Silberspangen zeugen laut Auskunft der Wissenschaftler vom hohen gesellschaftlichen Status des hier begrabenen Mädchens.

Bereits einen Monat zuvor stießen die Archäologen in einem Kindergrab auf einen weiteren sensationellen Fund. In den Überresten eines Ledersäckchens fand sich neben zahlreichen anderen Perlen auch die Figur eines Skarabäus, der höchstwahrscheinlich aus ägyptischer Fayence hergestellt wurde. Es handelt sich dabei um den dritten derartigen Fund auf dem Gebiet des heutigen Polen. Auf seiner Rückseite befindet sich ein Symbol, dessen Bedeutung derzeit untersucht wird. Auch hier zeugen die reichen Grabbeigaben vom Wohlstand der Familie des toten Kindes.

Die rund 2,5 Hektar große Anlage diente über mehr als 4.500 Jahre von der Jungsteinzeit bis in das Mittelalter als Friedhof. Gefunden wurden sowohl Brand- als auch Körperbestattungen. Die meisten von ihnen stammen aus der Zeit vom 1. bis 3. Jahrhundert, als im Raum der Weichselmündung die sogenannte Wielbarkkultur dominierte. Seit Aufnahme der Untersuchungen wurden fast 3.000 Bestattungsobjekte registriert sowie etwa 5.000 verschiedene Artefakte und rund 1.000 Keramikgefäße oder deren Überreste.

Seit 2008 lag die Ägide der Ausgrabungen beim Museum der nur wenige Kilometer entfernten Kreisstadt Lębork (Lauenburg). Das Haus in der ul. Młynarska 14-15 zeigt neben zahlreichen anderen Gegenständen aus Pommern auch eine reiche Sammlung von Fundstücken aus Czarnówko. Darüber hinaus erwarten Besucher hier Ausstellungen zur Stadtgeschichte und zur Ethnographie der Kaschuben sowie die „Galeria Strome Schody“ (Galerie zur steilen Treppe) mit polnischer und internationaler Gegenwartskunst. (www.muzeum.lebork.pl)

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