Auf Pilgerreise durch Polens Norden

In der vergangenen Woche fegte einer der stärksten Stürme der letzten Jahrzehnte über die polnische Ostseeküste hinweg. Für kurze Zeit brachte Sturmtief Xaver das öffentliche Leben kräftig durcheinander. Auch an der polnischen Küste waren die Auswirkungen spürbar. So waren zwischen Świnoujście (Swinemünde) im Westen und Mierzeja Wiślana (Frische Nehrung) im Osten zahlreiche Bäume umgeknickt und manche Stromleitungen zerstört. Doch die meisten Orte an der Ostseeküste sind glimpflich davongekommen. Inzwischen hat sich die Lage beruhigt, die Strände sind längst nicht mehr überschwemmt.

Auch die Wege sind wieder begehbar. Das dürfte nicht nur Wanderfreunde freuen, sondern auch Pilger und solche, die es einmal werden wollen. Denn an sie richtet sich ein neues touristisches Produkt, das vergangene Woche auf einer Konferenz in der Woiwodschaftsstadt Szczecin (Stettin) präsentiert wurde.

Rund drei Jahre dauerten die Bemühungen, einen nordpolnischen Abschnitt der internationalen Jakobswege einzurichten. Das Projekt „RECReate – der pommersche Jakobsweg“ widmet sich der „Wiederbelebung dieser einzigartigen Kulturroute“ und will „das pommersche Kulturerbe in einen gesamteuropäischen Kontext einbetten.“ Neben der Ausschilderung von Haupt- und Nebenstrecken des Jakobsweges wurden auch herkömmliche Informationstafeln und multimediagestützte Info-Desks aufgestellt sowie ein Reiseführer herausgegeben. Dieser wird demnächst auch in englischer Sprache als Download auf der Projekthomepage verfügbar sein.

Fachwerkkirche in Miekowo zwischen Stettin und der polnischen Ostseeküste

Kirche von Miekowo in Polen – Foto: Carsten Wolf

Am grenzüberschreitenden Projekt nehmen neun Partner aus Polen, Deutschland und Litauen teil. Darunter die Woiwodschaftsverwaltungen von Zachodniopomorskie (Westpommern) und Pomorskie (Pommern) sowie die Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald. Federführend ist die im Łeba-Tal gelegene Stadt Lębork (Lauenburg). Die Fortsetzung des Projektes ist der Vermarktung des polnischen Jakobsweges gewidmet.

 

 

Sie sehen den Mariendom in Kolberg bei Nacht

Kolberger Mariendom (Polen) – Foto: Carsten Wolf

Die Haupttrasse führt von Greifswald auf rund 714 Kilometern durch das Hinterland der polnischen Ostsee und streckenweise an der Küste entlang. Hinter Gdańsk (Danzig) führt sie über Elbląg (Elbing) weiter durch die russische Oblast Kaliningrad (Königsberger Gebiet) und weiter nach Kretinga (Crottingen) in Litauen. An der Pilgerstrecke liegen so schöne und bedeutende Gotteshäuser, wie die Jakobskirche in Szczecin, die Marienkathedrale in Kołobrzeg (Kolberg), die St. Johannes-Kathedrale in Kamień Pomorski (Cammin) oder die Marienkirche von Koszalin (Köslin). Die mächtigen Backsteinkirchen stammen aus der Zeit der Gotik. Einige von ihnen wurden während des Zweiten Weltkrieges mehr oder weniger stark zerstört und später wieder aufgebaut. Besonders schön sind die gotischen Schnitzaltäre in der Kolberger Marienkirche, die barocke Orgel im Camminer Dom oder der gotische Hauptaltar in der Kösliner Marienkirche.

Ziel der Jakobspilger ist das vermeintliche Grab des Apostels Jakob im nordspanischen Santiago de Compostela. Schon im späten Mittelalter soll es eine Route von Königsberg über Danzig, Stettin und Rostock gegeben haben, die von Jakobspilgern auf dem Weg in den Süden genutzt wurde. Als Pilgerzeichen diente ihnen eine Schale der Jakobsmuschel, die bis heute das Symbol des Jakobsweges ist. Die stilisierte Muschel in gelber Farbe auf blauem Grund weist Pilgern künftig auch auf dem pommerschen Abschnitt des Jakobsweges den rechten Weg gen Santiago. Allein in der Woiwodschaft Zachodniopomorskie entlang der polnischen Ostseeküste ziert sie über 2200-mal die Strecke. Darüber hinaus wurden Sehenswürdigkeiten, Gastronomie und Übernachtungsmöglichkeiten inventarisiert und im Reiseführer verzeichnet. Zusätzlich wurde auch die Barrierefreiheit der Objekte überprüft.

Weitere Informationen zum pommerschen Jakobsweg gibt es im Internet unter www.re-create.pl (EN, PL).

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